Sonntag, 24. August 2014

"LASS JUCKEN! - DIE KUMPELFILME DER 1970er" - jetzt auf amazon.de erhältlich

Es gibt wieder mal interessanten Lesestoff zu begutachten, anhand des neuen Buches von Martin Hentschel, in welchem er sich mit den berüchtigten Milieu- und Erotikfilmen aus dem Ruhrpott basierend auf den Romanen von Hans Henning Claer, 'LASS JUCKEN KUMPEL! 1-5', beschäftigt. Enthalten sind dabei nicht nur bisher unveröffentlichte Hintergrundinformationen und Behind-the-Scenes-Fotos zu jedem Film der Reihe, sondern auch intensives Schreibgut zu einigen Spin-Offs des Kumpelkults sowie ausführliche Bio- und Filmographien der beteiligten Casts & Crews, inkl. einem speziellen Kapitel zur 'LIEBESGRÜSSE AUS DER LEDERHOSE'-Reihe, deren Wege sich einst mit denen der 'KUMPELS' kreuzten. Und wenn das nicht schon genug ist, hat Christian Witte auch noch ein Kapitel über sogenannte 'FALSCHE KUMPEL', also über tatsächliche Rip-Offs der Serie, beigesteuert, in dem er diese vollmundig auf ca. 40 Seiten analysiert. Das alles und noch viel mehr bieten die insgesamt 364 Seiten geballte Schmuddelfilm-Retrospektiven-Power als voll ausgestattetes und möglichst lückenloses Nachschlagewerk für den lesefreudigen Film- und Genrefreund - der beste Kumpel für Ihr Bücherregal!

  LASS JUCKEN Cover

Zu kaufen auf: Amazon.de

Sonntag, 18. Mai 2014

EIN MANN WIE SPRENGSTOFF (THE FOUNTAINHEAD, 1949) Review




Ayn Rands asoziale, verschleiert-antikommunistische Propaganda mit dem 'objektiven' Drang zur Egozentrik zu ertragen, ist an sich schon ein starkes Stück. Dass dieselbe Kälte jener dort innewohnenden, enthumanisierten Individualität, trotz in-your-face-penetranter Präsenz anhand des subtextfreien Dialogs, in filmische Stärke umgewandelt werden kann, ist eine beachtliche Leistung von Regisseur King Vidor. Zusammen mit den Kompositionen von Max Steiner versucht er soviel Herzensstärke in seine misanthropen Protagonisten zu stecken, dass man eine deutliche Diskrepanz emotionaler Auffassung zwischen Buch & Regie verspürt. Inszenatorischer Enthusiasmus für die glatteste Variante modernen Kommerzialismus unter dem Mantel künstlerischer Integrität - allzu bezeichnend und dennoch widersprüchlich für die berechnende Leidenschaft des Eigennützigen im Narrativ.


Wo Gemeinnützigkeit zum Konformismus/Faschismus klischeehaft-bösartig stilisiert wird - die Starrköpfigkeit des Individuums allerdings ironischer Weise ebenso faschistisch und militant gegenüber dem 'ideologischen Feind' und etwaigen, unentschlossenen 'Verrätern' erscheint, was sicherlich nicht im Sinne Rands war und besonders zum Ende hin in weltfremder Naivität gipfelt. Industrieller Darwinismus als klassisches Melodram voller selbstgerechter, unantastbar-kritikresistenter Eigenbrötler. Eine emotionale Disharmonie, die nicht wirklich mit der Essenz der Vorlage einhergeht und dementsprechend schwierig bei jener Zuschauerschaft ankommt, die anderer Meinung ist. Für Rand-Fans ist THE FOUNTAINHEAD sicherlich ein zelebrierendes Mekka. Können diese auch weiterhin eigennützig für sich behalten und genießen - ich persönlich halte so eine Abgrenzung vom Humanitären für zweifelhaft (und in der realistischen Konsequenz für unproduktiv/stagnierend, so völlig ohne demokratischen Konsens und ignorant gegenüber sozialen Nöten & Wünschen, speziell im Beruf des Architekten).


Individualität ist ohne Zweifel ein wichtiger, menschlicher Wert und vor allem als Künstler kann und sollte man es nicht allen recht machen, stattdessen für sich selbst einstehen, um persönliche Erfüllung zu erreichen. Doch wie der menschliche Faktor des Schaffens hier eliminiert wird, zugunsten von schlichter Praktikabilität und Exklusivität, macht einen recht bitteren Eindruck. Dass aus solch einem Gedanken dennoch ein derartig aufstrebender und virtuoser Film entstanden ist, schneidet sich noch tiefer in den logischen Widerspruch von Rands Thesen ein - dafür kann man Vidor wirklich schätzen, mit welcher Subversivität er uns ihre Ideologie unattraktiv macht und eher den Drang zu wahren Gefühlen suggeriert, selbst wenn der Inhalt gegen diese spricht. Weit wirksamer erscheint mir aber die Variante, mit der man heute eventuellen Besserwisser-Verfilmungen von Rand-Stoffen wie z.B. ATLAS SHRUGGED entgegenkommt: einfach ignorieren. Wer nämlich derartig auf künstlerisches Exil vom Menschsein pocht, sollte es ruhig erhalten dürfen.

Sonntag, 4. Mai 2014

DIE HEIMLICHEN WUNDEN komplett auf Youtube!






Mehr Informationen zum Film unter: http://gufilm.de/die-heimlichen-wunden/

DER UNENDLICHE PLANET - der neue Kurzfilm von Christian Witte

JETZT ERHÄLTLICH ON DEMAND:


TRAILER:



 

KURZINHALT:

Ein von seinen letzten Lumpen umhüllter Mann bahnt sich seinen Weg durch die verdorrte Landschaft. Umringt von Tod, Verderben und endloser Leere sind ihm nur noch Erinnerungen der Lebendigkeit geblieben. Diese sind die entscheidenden Antriebskräfte für seinen mühsamen Treck durch die glühende Einöde. Wann er sich auf die Reise machte, weiß er nicht mehr. Es spielt auch keine Rolle.

Mit dem Drang nach dem letzten, persönlichen Glück im Herzen durchlebt er sodann die allgegenwärtige Furcht vor der böswilligen Flora & Fauna, die in den letzten Winkeln des Planeten zur giftig-allesfressenden Lebensform herangewachsen ist. Schließlich eingekesselt und gelähmt von der erbarmungslosen Naturgewalt scheint sein Körper verloren, doch da erblickt er am Horizont eine Vision seines Ziels. Ist dies ein Hoffnungsschimmer der Erlösung oder nur eine verblendende Ablenkung?


POSTER:



PRESSKIT:

Unten erhaltet ihr einen Link zu unserem Presskit - dort sind enthalten: Das PRESSEHEFT zu DER UNENDLICHE PLANET sowie Screenshots, Trailer und Plakate (ca. 60 MB).

Presskit-Download auf dropbox

Freitag, 14. Februar 2014

DAS HERZ DER KÖNIGIN (1940) Review




Carl Froelich, ab 1939 Präsident der Reichsfilmkammer in Nazi-Deutschland, geht in diesem anti-britischen Kostümdrama schon zu Beginn in die Vollen, mit in Schönschrift verfassten Bücherseiten, welche die Geschichte um Maria Stuart und Elisabeth I. wie folgt zusammenfassen: "Die Königin von Schottland Maria Stuart hatte ihre Kindheit in Frankreich verbracht und war erst nach dem Tode ihrer Eltern in die Heimat zurückgekehrt, um den schottischen Thron zu besteigen. Die Königin Elisabeth von England aber verfolgte Maria Stuart mit Eifersucht und Hass. Sie versuchte, das schottische Volk durch Intrige und Bestechung gegen seine angestammte Herrscherin aufzuwiegeln..."

 
Fortan erleben wir das schicksalhaft-gnadenlose Tribunal der Maria Stuart und einen extensiven Rückblick darauf, wie sie in Schottland mit anfänglichen Schwierigkeiten Fuß fasste. Da kommt sie aus Frankreich rüber und schwärmt sodann als neue Herrscherin von ihrer 'Heimat': "Ich weiß, Schottland liebt mich nicht, aber ich liebe Schottland...die dunklen Berge, die weiten Täler, die Stimmen aus den Wäldern, der Wind im Meer. Es ist unser Land, wollen wir es nicht gemeinsam lieben?", woraufhin sich das Hofpersonal und die betont-patriotischen Offiziere ("Schottland braucht einen Schotten!") ergiebigst vor ihr niederknien. Viel platter kann man nicht auf die Blut & Boden-Tränendrüse drücken und dabei idealisierte Analogien zu Hitler's Machtergreifung ziehen - erst recht, als das Volk zur Ankunft seiner Regenten ausschließlich rechte Arme umherwedelt.


Ohnehin arbeitet der Film damit, den überbordenden Patriotismus der Schotten als Gleichnis für das deutsche Volk zu projizieren, während die imperialistischen Briten als diktatorisch-verräterische, einseitige Antagonisten wirken. Blanke Ironie macht sich dabei breit, wenden die Royalisten des britischen Königreichs hier doch Methoden und Mentalitäten an, die ganz harmonisch mit denen der Nazis einhergehen, ähnlich wie in Max W. Kimmichs (ein Schwager Goebbels) 'MEIN LEBEN FÜR IRLAND' (1941). "Die Regierung ihrer Majestät nimmt an dem unglücklichen Schicksal der Angeklagten aufrichtigen Anteil. Die Regierung ihrer Majestät ist jedoch entschlossen, auch in diesem Falle den Gesetzen ihrer traditionellen Politik zu folgen, der europäischen Moral zu dienen und die Macht des Königreichs zu stärken.", entscheidet da der oberste Staatsgerichtshof der Briten, während Königin Elisabeth mit scharf-rollendem R Hinrichtungen austeilt, sich kaltherzig über die Liebe Marias mockiert.

 
Nun könnte man als objektiver Zuschauer diese schnell-durchschaubare, lächerlich-propagandistische Ader außer Acht lassen (auch wenn dies aufgrund ihrer Aufdringlichkeit kaum möglich scheint) und 'DAS HERZ DER KÖNIGIN' als reines, klassisches Melodram mit feministischen Aussichten erfassen. Stil & Gestaltung geben da eine kurzweilige, wenn auch arg formelhafte Einheit ab und liefern einige spannend-ausgeleuchtete, stimmungsvolle Bilder (mein Favorit: die Nahaufnahmen von Lady Johanna), inkl. detailliertem Produktionsdesign. Dagegen wirkt allerdings gerade Zarah Leander in der Rolle der Maria Stuart als mittelschwere Fehlbesetzung, wirkt ihre Schauspielkunst hier doch unbeholfen, wenn auch sichtlich um Verschmitztheit bemüht und wird dabei stets vom Talent ihres charmanten Gegenspielers Willy Birgel und insbesondere von Lotte Koch an die Wand gespielt.


Addiert man dazu noch ihre befremdlich-eingestreuten und in der Konsequenz unfreiwillig komischen Gesangseinlagen, die inmitten des neblig-finsteren Ambientes mit schmalzigen Pomp die Stärke des Herzens besingen, bleibt die angestrebte Stärke schon halbwegs auf der Strecke. Sowieso verlässt der Film im Verlauf allmählich die Spannung seines historischen Kontext und konzentriert sich bloß auf die bedingt eindringlichen, weil oberflächlich konstruierten Liebesleiden der Maria Stuart - belangloser Kostümkitsch ist die ernüchternde Folge. Und dennoch kommt man nicht umhin, für ihre Figur oder besser gesagt für Zarah Leander Mitleid zu empfinden, so wie sie drollig-bemüht kindliche Tränen vergießt - wie bezeichnend für ihre Rolle, die von ihr mehr auszufüllen verlangte, als dass sie im Stande war darzustellen, wobei ihr das mäßige Skript und die unentschlossene Inszenierung offensichtlich ebenso wenig Raum zum Entfalten gaben. Ein verdienter Misserfolg.

 
4,5/10

Montag, 27. Januar 2014

Wiederentdeckung des Kinos im LONE RANGER




Im August 2013 schrieb ich zu Gore Verbinskis LONE RANGER:

"[...] Lone Ranger ist für einen Familienfilm nicht nur ausserordentlich drastisch-naturalistisch brutal, bizarr und von einer unheilvollen Stimmung beherrscht - er ist zudem noch eine schmerzhafte, herzbrechende Abrechnung mit dem Genozid an den Ureinwohnern Amerikas durch abgrundtief-eklige Silberfanatiker und Südstaatensoldaten, welche in dieser Form wohl schon seit Langem nicht mehr so hautnah und kraftvoll vermittelt wurde, erst recht nicht in (vermeintlichen) Blockbusterstreifen wie diesem.

Umso mehr freut man sich dann, wenn Tonto für sein geschlachtetes Volk mit Hilfe des Rangers zurückschlägt und ein akrobatisch-gewitztes Train-Chase-Finale entfesselt, dass in seiner Greenscreen-Künstlichkeit zwar nur bedingt mit den Kunststücken eines Buster Keaton und seines "Generals" mithalten kann, dafür aber eine zelebröse Katharsis gegen die xenophob-fatale Finsternis unter dem Gebrüll der Wilhelm-Tell-Overtüre abliefert, die beinahe so befreiend und verspielt wirkt wie die besten Momente vom anderen großen Revisionismus-Western diesen Jahres, DJANGO UNCHAINED.

Nebenbei liefert Gore Verbinski auch sowieso einen stilsicheren, klassischen und recht harten Western ab - mit malerischen Canyon-Panoramen, Morricone-artigen Wehmuts-Score, Saloons, Banditen, Eisenbahn-Hype, korrupten Unternehmern, Indianerweisheiten und Flashback-Strukturen, die ohne Zweifel an Leone's SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD (Tonto's Origin-Story) und ES WAR EINMAL IN AMERIKA (die Rahmenhandlung vom alten Tonto, der einem kleinen Jungen von seinen Abenteuern erzählt) angelehnt sind.[...]"

 
Vor kurzem habe ich nochmals diesen (vorallem von Kritikern) verschmähten, großen Kassenflop von Gore Verbinski gesichtet, der sich für mich dieses Mal noch viel mehr wie das letzte Hurrah des amerikanischen Eskapismus-Kinos anfühlte - in seinem exzessiven Budget für die ganz große Unterhaltungs-Palette (womit das Filmemacher-Team ganz im Sinne der Sensationsschausteller, welche sowieso durchweg einladend im Film vorkommen, an die Reizorgane des Zuschauers appellieren will), seinem Panoptikum aus Verbeugungen vor allen Inkarnationen des Western-Genres und seiner Erzählstruktur, die sich durch ein niederschmetterndes, bitteres Tal der Tränen kämpfen muss, um zum Finale dann doch noch einmal die große befreiende Power des Kinos auf dem Walküren-Ritt loszulassen.


Allerdings auch mit einem Ansatz der Hoffnung, eben endlich aus jener Finsternis des modernen Blockbusterkinos zu entkommen und wieder beherzt-liebenswerten, gewitzt-freudigen Spaß zu haben. Die stärkste Szene, welche genau diese Mentalität am Konzentriertesten und Ergreifendsten in die Seele schlägt, befindet sich überraschenderweise im Abspann, welcher zuerst im Dunkeln durch ungestüme, brutal-ehrfürchtige Wellen des Scores reitet und sich dann wie aus dem Nichts in einer malerischen Aussicht auf die uralten Canyons wiederfindet, wo der ebenso uralte Tonto, der schon soviel in seinem Leben erlebt, gesehen und verloren hat, ein fester Bestandteil dieser Landschaft geworden ist - nachdem er in der Rahmenhandlung des Films seine Geschichte vor einer plakativ-künstlichen Kulisse/Hülle dieses Ambientes erzählen durfte -, sodann bis zum Horizont voranschreitet.

 
Findet er hier sein gewisses Schicksal, sprich sein Ende, oder doch seinen seligen Frieden, die entgegenkommende und umarmende Heimat, mit der er sein spannendes und aufregendes Dasein geteilt hat und auf die wir alle auch seit Ewigkeiten hinaufblicken, bis zum jetzigen Moment: die Leinwand, das Kino, der ewig währende Zauber, eingefangen in einem uramerikanischen und ur-cineastischen Panorama, unterstrichen von den bittersüßesten, elegischsten und einfühlsamsten Tönen, die Hans Zimmer seit gefühlt 'True Romance' schrieb. Der vorherrschende Pioniergedanke im Film, der sich durch korrupte Machenschaften der Bösewichte im frischen, wilden Amerika ausdrücken soll, kann insofern auch erst im Einklang mit dem Alteingesessenen, der Natur, sprich dem guten Geist wirklich gelingen - ein wahrhaftig kraftvolles Statement und eine tief-einschlagende Liebeserklärung an das klassische Kino. Wie konnten das nur so wenige erkennen?

Oh, wie mir die Tränen flossen. Ich wünschte, ich könnte den kompletten Abspann hier jetzt verlinken. Das Beste was ich da finden konnte, war dieses Video hier ohne das vorhergehende, finstere Schwarz am Anfang der Credits - hoffe aber, dass man meine Gedanken da trotzdem irgendwo nachvollziehen kann. Ansonsten bleibt einem aber noch immer die Möglichkeit, den Film an sich anzuschauen, was ich dringend empfehle. Wer weiß, wie lange wir noch solche Filme - Ausgestoßene, Gefloppte, Ambitionierte, Gewagte, Kinoliebende - noch haben werden.

Donnerstag, 23. Januar 2014

"I, FRANKENSTEIN" (2014) Review




Willkommen in der Hölle: ultra-standardisiertes Monsteraction-Kino aus der Underworld-Ecke, derartig seelenlos (was man dem Creature-Protagonisten gefühlte 100mal vorwirft) und austauschbar, sowohl in seiner scheinbar per Lückentext abgearbeiteten Storyline und Dialogarmut (soll nicht heißen, dass es zu wenig Dialoge gibt, sondern hauptsächlich langweiligste 08/15-Oneliner wie 'Fahr zur Hölle, Dämon', 'Es endet heute Nacht' und 'Ich bin ein Dämonenprinz, hahaha!'), als auch in seinem einschläfernd-gedimmten Look (den es auch in noch schlimmer mit 3D gibt) vereint mit einem beliebigen Instant-Tension-Soundtrack, der an sich auch GEMA-frei sein könnte.

Ein einziger, großer Haufen Matsch, mit reichlich CGI-Kämpfen zwischen ca. 5 klobig-einfallslosen Sets. Schneiden da die Charaktere besser ab? Natürlich nicht. Die arbeiten genauso lasch mit biedersten Klischees, lustlos abgefertigten, Exposition-erfüllenden Phrasen en masse, besitzen keine dramatische Fallhöhe und versauern machtlos im zwecklos-vorhersehbaren Narrativ. Und glaubt nicht, dass man sich das ganze Charisma für die Kreatur des Frankensteins, hier Adam genannt, aufgehoben hätte. Grimmig schaut er drein, schindet mit dramatischen Zeitlupen Eindruck, obwohl er nicht mal irgendwas Außergewöhnliches oder Bedrohliches an sich hat - ist nicht mehr als ein normaler Typ mit einigen Narben und Eyeliner im Gesicht. Hätte sich Eckhart wenigstens vorher noch ein bisschen aufgepumpt, könnte man seine Präsenz und auch seine Stärke (schließlich scheint sein zusammengefrickelter Menschenkörper unzerstörbar, wie Stahl zu sein) einigermaßen nachvollziehen.

So allerdings bleibt er durchweg genauso seelenlos, wie ihn jeder andere seelenlose Charakter im Film nennt und setzt damit den ernüchternden Grundton für I, FRANKENSTEIN, welcher ebenso lustlos und ohne jede Ambition in die Welt gesetzt wurde, ausschließlich den Durchschnitt bedienen soll und sich darüber hinaus nichts Inspiriertes leisten möchte, dafür aber dennoch mehrere Millionen Dollar verschwendet. Die Frage, die für Leute bleibt, welche so eine Misere schon vom ersten Trailer an voraussahen, ob der Film zumindest in Sachen unfreiwilligen Humor noch was zu bieten hätte, kann ich nur insofern beantworten, dass man sich durchaus über die 'Nobody gave a shit'-Attitüde der filmischen Gestaltung mockieren kann sowie über einige ausgewählte Simpelst-Sätze, aber ansonsten ziemlich wenig Raum zur Unterhaltung offen hat und wahrscheinlich nach dem ersten Viertel abschalten will.

Wer aber bis zum Ende durchhält, erhält nichts weiteres als eine erschreckend-uninteressierte Verwässerung des Frankenstein-Mythos, der mit blassen, dem 'heiligen Kampf' verpflichteten, Gargoyles gegen Vampir-ähnliche Dämonen (mit dusseligen Gummimasken) antritt, als ob ein Computer das ausschließlich zweckmäßige Drehbuch entwickelt hätte (welches sich natürlich auch noch eine Fortsetzung offen hält). Im Endeffekt ist dieser Film zwar recht harmlos (sowieso komplett bissfrei) und wird innerhalb kürzester Zeit sicherlich wieder vergessen, als der Tax-Write-Off, der er vom Anbeginn der Konzeption bereits war (und an dem sich bedenklich viele Studios beteiligten). Aber auch das hebt seine bis zum Himmel stinkende Überflüssigkeit kein Stück auf. Naja, hat man was Anderes erwartet, mitten im Dumping-Monat Januar?

2/10

Donnerstag, 16. Januar 2014

"STRASSENBEKANNTSCHAFTEN AUF ST. PAULI" (1968) Review




Trotz anlockendem Titel ein recht ernüchternd-manierlicher St. Pauli-Krimi, der im Vergleich zum Rolf-Olsen & Ernst-Hofbauer-Output keine Energie und Lust für die Darstellung der verruchten, sexy Unterwelt aufbringen möchte. Stattdessen erleben wir die Ausbeutung eines 18-jährigen Mädels, das immer tiefer in die Spirale der Gauner-Tristesse gerät, wovon ihre blass-steife, doch im Auge des Films richtig liegende Mutti von der Sitte sie ja auch durchweg warnt: Es fängt mit dem Rauchen und Bikinis an, da sind Mord und Misshandlung nicht weit.


So hebt sich dann der erzkonservative Moralfinger in überschwängliche Höhen und lässt folglich nicht mal zu, dass man als Zuschauer überhaupt was besonders Aufregendes zu sehen bekommt: die Brüste bleiben meist verdeckt und bei den Shootouts geht keiner drauf. Klar, die Gangster quatschen alle halbwegs zynisch-unmoralisch daher und pflegen einen backpfiffigen Umgang mit Frauen (die natürlich allesamt als absolut wehrlos dargestellt werden), aber eine richtige Bedrohung wird nie draus gemacht.

Paart man das alles noch mit der durchweg lieblos-schablonenhaften Charakterzeichnung aller Figuren: schon macht sich der Film furchtbar langweilig - Schade. Ich kann ja verstehen, dass die Unterwelt keinesfalls ein Zuckerschlecken ist und man diese als solche ruhig mal derbe darstellen kann. So wie dieser Film aber Sexualität strengstens dämonisiert und abendländischen Anstand propagiert, anstatt für irgendwas tatsächlich Verständnis aufzubringen, wenn er sich schon ernsthaft und ehrlich mit dem Thema befassen will - tja das entbehrt jeder Sympathie für das Milieu, wirkt unangenehm-hasserfüllt, starrköpfig-feige und geht mir voll auf den Wecker.


Wundert mich aber kaum, dass der Streifen keinerlei Bock hat, den Sex mit offenen Armen zu empfangen. Schließlich machte sich Regisseur Werner Klingler (sein letzter Film hier übrigens) nach einer langen Karriere als internationaler Schauspieler schon bei den Nazis einen Namen, u.a. indem er den Propagandafilm 'Wetterleuchten um Barbara' (1941) inszenierte und Goebbels anti-englischen 'Titanic' (1943) zuende drehte, nachdem der Originalregisseur Herbert Selpin wegen negativer Äußerungen zur Wehrmacht verhaftet wurde und sodann im Gefängnis 'Selbstmord' beging.

In der Nachkriegszeit profilierte er sich sodann mit Filmen wie 'Razzia' (1947), 'Spion für Deutschland' (1956) und 'Blitzmädels an die Front' (1958), den das Lexikon des internationalen Films als „politisch und moralisch fragwürdigen Kriegsfilm in vorgeblich dokumentarischem Stil.“ bezeichnet. Ich glaube, solche Titel sprechen für sich und sein Bild von 'St. Pauli' passt da ganz gut rein: spießig-mutloser Vorsichts-Mief.

Ein paar positive Aspekte zum Film möchte ich aber auch nicht vorenthalten: so bekommen wir in der Hauptrolle niemand geringeren als Synchronlegende Rainer Brandt zu sehen, der als schmieriger Erpresser-Fotograf und Kollegenschwein immer absolut herrlich zwischen charmantem Nice-Guy-Talk und knallharter Räuden-Schnauze hin- und herpendeln kann, während er eine kaum wiedererkennbare Dagmar Lassander als Spielball krimineller Machenschaften im verdorbenen Puff-Jargon umherschiebt - wer da nicht spurt, wird gewürgt. Wenn der Film einen distanzierteren Unterhaltungsfaktor innehätte und moralische Objektivität/Ambivalenz versuchen/vortäuschen könnte (wie eben Olsen oder Hofbauer), würde seine Performance fast schon richtig Spaß machen. In diesem biederen Kontext bleibt er letztendlich aber nur der klischeehafte Böse von der Stange.

 
Positiv hervorzuheben wäre allerdings noch Jürgen Feindts Rolle des homosexuellen Puff-Arbeiters Jensen, der zwar mit diffamierenden Ausdrücken zugeschüttet wird, allerdings nie homophobe Klischees an den Tag legt und sogar, als einer der wenigen verdient rechtschaffenen Figuren des Films, der Polizei bei der Lösung des Falls helfen will, nachdem sein Chef Radebach (Reinhard Kolldehoff) umgebracht wurde, da er dadurch "einen guten Freund verloren" hat. Dass er am Ende trotzdem abgeschossen wird, ist dann zwar auch irgendwo bitter, aber immerhin wurde er da von den Bösen umgebracht - der Beigeschmack dieser ultimativen "hättest dich mal lieber nicht mit dem Gesindel eingelassen - das ist nun deine Strafe"-Mentalität schlägt mir dennoch irgendwie echt sauer auf.

 
Im Endeffekt bleibt 'Straßenbekanntschaften auf St. Pauli' ein zweckmäßiger, routinierter Krimi (einen Krimi-Reißer würde ich den nämlich nicht nennen, so verschnarcht er sich durch das hier besonders verurteilend wirkende Schwarz & Weiß bewegt), der zwar einigermaßen schickes Lokalkolorit und eine halbwegs aufregende Darsteller-Belegschaft vorzuweisen hat, aber nichts Packenderes damit anzufangen weiß, als sich im kleinbürgerlichen Angst-vor-der-Unterwelt-Konservativen-Mief zurechtzufinden. Und das im Entstehungsjahr 1968. Da steht der Film wohl ganz klar NICHT auf der Seite der gesellschaftlichen 'Revolution', erst recht was den Sex betrifft. Zum Kotzen.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

"OLDBOY" (2013) Review




Da habe ich mich doch tatsächlich in Zeiten des Orkans (welcher hier in der Hamburger Innenstadt nicht gerade doll spürbar war) ins Kino getraut, um mir doch mal Spike Lee's Variante des OLDBOY-Stoffes einzuverleiben. Es war ein Fehler, ich geb es zu, Spike Lee KANN NIX!

Natürlich war es von Anfang an irgendwie klar, dass Lee nicht unbedingt die gestalterische Virtuosität eines Park Chan-Wook erreichen würde, selbst wenn die Grundstory sich nicht unbedingt geändert hat, in fähigen Händen dennoch einen durchaus starken Eindruck inkl. moralischer Zwiespältigkeit und einem gesteigerten, mitreißenden Interesse am Mysterium hinterlassen kann. Doch wie Lee es hier geschafft hat, eine so dankbare Vorlage komplett misshandelt und eintönig abzuliefern, ist schon ein Kunststück für sich.

So raubt er dem Narrativ und seinen Figuren jeglichen Charme sowie innere/äußere Spannung, akzentuiert sich auf eine gefühllose, hingeschluderte Highlight-Reel vom Originalfilm und füllt den Rest mit belanglosem, ermüdend-uninspirierten Laberfutter, dass es mich graust daran zu denken, es gäbe noch 1 Stunde mehr davon - diese könnte vielleicht der Charakterzeichnung ein bisschen behilflich sein, doch ich bezweifle es, dass sie über ihren höchst plakativen, überzeichneten Schatten springen dürfte.

Überzeichnet ist da sowieso ein treffendes Stichwort, ergötzt sich Lee an seiner komplett durchgezogenen, selbstzweckhaften, Aussage-freien, zynisch-sleazigen Grundstimmung mit reichlich fremdschämerischen FUCK FUCK FUCK-Dialogen und beinahe comichaft ausgespielten Torture-Porn-Szenarien, welche an wahllosen Stellen durch neu geschriebene Widerlichkeiten ergänzt werden, anstatt eine gewisse, emotionale Nähe zum bekannten Geschehen aufzubauen.

So kommt es auch, dass OLDBOY '13 teilweise unfreiwillig komisch daherkommt, nicht nur wegen den stilistischen Entscheidungen und sinnlosen Änderungen zur Vorlage, sondern auch aufgrund von billig-aufgelösten, beiläufigen Nonsense-Momenten und einem Drehbuch, in welchem die Charaktere jede einzelne Emotion laut aussprechen müssen, anstatt dass irgendwas durch die Bilder transportiert wird - sodann extrem schlampig wirkt und nur schwer über seine emotionale Leere hinwegtäuschen kann, welche im Original im Grunde vielleicht nicht unbedingt gehaltvoller war, aber einfach nur durch die meisterhafte Gestaltung schon weitaus gewichtiger und glaubwürdiger vermittelt wurde.

Ich wollte ja eigentlich den obligatorischen Vergleich mit dem Original vermeiden, also hab ich versucht, den Film so gut es geht mit objektiven Augen zu betrachten. Aber er funktioniert selbst als eigenständiger Film in seinem Gesamtkonzept einfach kein Stück. Erst recht, sobald Lee's Variante das Original direkt zitiert. Da wäre zum einen die 'One-Shot'-Kampfszene, die in Lee's Variante fast exakt so übernommen wurde, jetzt aber in seinen höchstaufwendigen Steadycam-Spielereien wie ein stilistischer Fremdkörper wirkt, wo der Rest der Kameraarbeit im Film doch handheld gelöst wurde. Natürlich konnte er sich hier zudem nicht verkneifen, diese konzentriert-klaustrophobische Szene 'aufwändiger' weiterzudenken, verlagert sie in eine offene Tiefparkgarage, wo immer mehr Gegner auf den OLDBOY Joe zurennen, der sie so perfekt und kunstvoll choreographiert verdrischt, dass es zwar übertrieben ruppig (alà Basketballplatz-Fight in EXPENDABLES), aber noch viel mehr schmerzhaft-konstruiert und hölzern wirkt.

Und lasst mich erst nicht damit anfangen darüber zu reden, was hier aus dem Ende der Geschichte rausgeholt wurde - komplett überbordender, selbstbelügend-kitschiger, pseudo-cleverer Vergebungs- und Buße-Happy-End-Schlock wie direkt aus einem billigen Glückskeks. Eine Blamage sondergleichen für einen Streifen, der sich anfangs noch als Hardboiled-Crime-Reißer ausgeben wollte.

Und das Schlimme ist, dass hinter diesem offenbar interessant-misslungenen Projekt dennoch kaum Ambition gesteckt zu haben scheint. Jede einzelne Minute ertrinkt mehr und mehr in der austauschbaren Beliebigkeit des Handlings mit dieser potenziell interessanten Thriller-Geschichte - wirkt dabei nicht weniger cheap als die Skinemax-Streifen, die sich Josh Brolin als Joe gerne reinzieht, weil er ja von Anfang an als ein verkommener Assi dastehen muss, da er natürlich immer einen Flachmann parat hat, fremde Weiber angrabbelt und seine Frau mit endlosen Tiraden zusammenschreit, damit auch jeder im Publikum anhand klischeehaftester Zeichen kapiert: der ist am Arsch. Genauso darf auch nicht fehlen, unter Archiv-Aufnahmen von George W. Bush und Obama hinzuschreiben, was für Leute das sind und in welchem Jahr wir uns befinden, kurz nachdem Bilder von 9/11 gezeigt wurden. Man, echt schwer einzuordnen, Leute.

Und wie theatralisch-durchgeknallt sein Gegenspieler Sharlto Copley hier den Bösewicht gibt, ist wohl die affektierteste Clowns-Parade seit Colin Farrell in DAREDEVIL. Noch klarer kann wohl niemand aussprechen: was für eine merkwürdige Type ich doch bin, schnipp-schnipp-schnapp.
Nichtmal Elizabeth Olsen kann gegen die planlose Umsetzung ihrer Figur was unternehmen, wird doch jede romantische Chemie zum OLDBOY als selbstverständlich aufgefasst, nur leider außerhalb des Narrativs - endet aus dem Nichts heraus, ohne bestimmten Aufbau dorthin, in einer ruppig aufgezeichneten Sexszene. Ich muss zwar zugeben, dass sie an sich ein angenehmer Augenfang ist und mit Leichtigkeit das visuelle Highlight des Films darstellt - aber mein Gott, was für eine Verschwendung.

Und das obwohl ich noch anfangs durchaus der Hoffnung war, dass ein gestandener Autorenfilmer wie Spike Lee einen persönlichen, interessanten Stempel auf dieses Projekt drücken könnte, wo er doch sogar Joe's Jahre in der 'Zelle' einigermaßen gelungen, wenn auch schäbig-aufgedunsen, umsetzte. Danach weiß er aber eben nichts mehr mit dem Stoff anzufangen und langweilt sich mit dem Zuschauer zusammen ins frühzeitig herbeigeführte Ende. Was ein Elend!

Nachtrag: falls doch noch eine Extended-Fassung rauskommt, gebe ich dem Film nochmal eine Chance und selbst, wenn ich mich nur wieder am ersten Akt, dem ausrastenden Josh Brolin und seiner Quietscheente erfreuen kann. 

Sonntag, 17. November 2013

Problematische Historienfilme

In letzter Zeit treffe ich desöfteren Filme an, die einen Anspruch haben, historische Tatsachen und Personen glaubwürdig zu beleuchten, ob nun im dramatisierten oder pseudo-dokumentarischen Rahmen, und bei mir absolut nicht ankommen, sogar anwidern - sei es durch grobe, geschichtliche Verfälschung, allzu überborderndes Befangenheitsgedöse, ekligste Propaganda oder einfach nur vollends misslungene Inszenierungen.

Ich denke mal, es lag an der prägenden Erfahrung mit dem 'TEUFELSGEIGER', dass ich nun wieder verstärkt hinter die manipulativen Erzählstrukturen und Aussagen jener Filme blicke, von daher hab ich mich entschlossen, diese an weiteren, schwierigen Beispielen zu beleuchten und darzulegen - wobei ich natürlich auch bei einem der 'Urväter' solcher Filme vorbeischaue, Veit Harlan.

Bevor ich noch mehr vorwegnehme, hier nun die an sich schon ausreichend aussagekräftigen Einzelbesprechungen, wie immer mit altbekannten polemisch-süffisanten Touch:




GEORGE - Allein vom Grundkonzept ist dieses apologetische Portrait komplett unmöglich - da schneidet man affektierte Interviews mit den beiden George-Söhnen Götz und Jan (sowie anderen Zeitzeugen) über ihren umstrittenen Vater mit immens spekulativen Spielfilmszenen zusammen, in denen Götz den Heinrich sogar spielt (einen befangeneren Darsteller hätte man dafür nicht wählen können) - schlicht als unpolitischen Unschuldigen, der einfach nur unter allen Umständen für seine Kunst leben wollte UND natürlich auch noch den Verfolgten half, während die russischen Besatzer als klischeehafte Antagonisten ihm alles vermiesen wollten.

Wie objektiv sowas im Endeffekt ist, kann man sich wohl vorstellen: kein Stück. Das riecht man schon nach wenigen Minuten, so schrecklich-emotionalisierend es sich an die Gunst und Sympathie des Zuschauers anbiedern will. Natürlich hatten die Söhne den größten Einblick in das Wesen ihres Vaters. Und das der Mensch George sicherlich jenseits von eindeutigen Kategorien wie Schwarz & Weiß oder Gut & Böse war, wie auch andere Mitglieder des wirkenden Talents im dritten Reich, kann man ja einigermaßen nachvollziehen.

Aber wie solche Aspekte in eben diesen platt-dramatisierten Narrativ umgesetzt werden, ist einfach so unfassbar einseitig, frei von jeder Kritik und penetrant reinwaschend, dass der Film als demonstrative Helden-/Märtyrersage mit pathetischer Musikuntermalung im Endeffekt stets unglaubwürdig wirkt, den Zuschauer zum naiven Narren hält - und das, obwohl man inzwischen von endlos vielen Seiten bewiesenermaßen gehört hat, wie Goebbels die verbliebenen Filmschaffenden im Dritten Reich erpresserisch-gewaltandrohend zu den schlimmsten Werken zwang, wenn sie überhaupt arbeiten wollten.

Es entwickelt sich ein zwielichtiger Grundtenor in diesem mittelmäßig budgierten und handwerklich uninspirierten Dokudrama, welches einerseits für sich beansprucht, ein objektives Bild vom Schauspieler zu liefern, aber andererseits ausschließlich auf sentimentale Szenarien zurückgreift, die suggerieren sollen: 'Schaut her, der war immer DAGEGEN!', 'Die Nazis haben ihn reingelegt!' und 'Der hat den Armen geholfen!' (jene 'Arme' in den Sowjetlagern waren u.a. Kriegsverbrecher, was der Film ja verschweigt), damit die George-Söhne die Ehre ihres Vaters als Opfer seiner Zeit ja aufrechterhalten, die Mitschuld absprechen können. Da ist Regisseur Joachim Lang nicht mehr als eine faule Marionette, die sich ihrem Subjekt von Grund auf ergeben hat und, wie ein alter Propagandafilm aus jener Zeit, den hinterfotzigen Rehabilitierungsauftrag der Georges ausführt.

'- Er war ein Faschist?
- Er war ein Schauspieler!'


Herrje...

Da empfehle ich eher die undramatisierte Dokumentation 'DIE MACHT DER BILDER' über Leni Riefenstahl für eine objektivere, kritischere Sichtweise jener Umstände.




ALI - Ich hatte fortwährend das Gefühl, dass Michael Mann nicht genau wusste, was er mit dem Thema anfangen sollte, wodurch er viele Sequenzen einfach unbeholfen zusammenklatschte und innerlich zerfahren wirkte. Der erstrebte Spannungsbogen dahin, Cassius Clay zur inspirierenden Ikone der Schwarzen in aller Welt, Muhammad Ali, zu machen, wird zwar dringlich, aber höchstens oberflächlich behandelt, wie der Charakter selbst - man hätte zudem als Zuschauer fast keinen direkten Bezugspunkt dazu, wenn der Soundtrack nicht jeden möglichen Augenblick eine Gospel-artige Emotionalisierung versuchen würde (was ja irgendwo auch nach hinten losgeht).

Ich will nicht sagen, dass man den Film nicht komplett nachvollziehen kann, da sagen die Handlungen Ali's schon mehr als ellenlange Erklärungen seiner Erziehung oder sonstwas - die Charakterzeichnung wird im Verlauf aufgebaut - und auch seine Boxkämpfe sind wirklich ansprechend und energiegeladen gestaltet. Was man in den 2 1/2 Stunden Laufzeit allerdings als Zuschauer wirklich mitnehmen soll, wird niemals klar, man kann den wahren Sinn hinter allem nur schwer nachvollziehen. Im Endeffekt wirkt ALI auch zu vollgestopft mit (repetetiven) Sequenzen & Informationen über die wahren Ereignisse und Persönlichkeiten und findet keine klare Linie, macht leider einen belanglosen Eindruck.

Weniger wäre mehr gewesen, um einen konzentrierteren Einblick in das Wesen von Muhammad Ali zu gewinnen. Authenzität bringt da nichts auf den Tisch, wenn man sich nicht im Vornherein klar wird, wie man mit ihr eine packende Geschichte erzählen kann. Da hat Mann den Prä-Produktionsprozess einfach zu fix vorangetrieben, erschien ALI doch schon 2 Jahre nach THE INSIDER, welcher als autobiographische Geschichte weitaus länger in der Vorbereitung steckte und im Endeffekt einfach zig-mal besser und engagierter wirkt.

Wirklich ernüchterndes und bemühtes Biopic-Epos.




W. - Im Gesamteindruck bewusst spekulative und cartoonhafte Biopic-Komödie über den dummdödeligen Hillbilly-Präsidenten George W. Bush und seine dekadente, unfähig-selbstgefällige Crew. Ist es damit auch das akkurateste Porträt des extrem umstrittenen 9/11-Politikers? Oder doch nur die überlange Variante eines hyperplatten SNL- oder MAD-TV-Sketches, dessen hingeschluderter und zweckmäßiger Inszenierungs-Stil stilecht von Oliver Stone übernommen wurde?

Die Frage, die mich aber schon länger beschäftigt: Ist politische Satire überhaupt witzig oder einfach nur 'clever' darin, nicht mehr als das Offensichtliche einfach bemüht-grotesk darzustellen? In kleinen, aktuellen bzw. relevanten Dosen finde ich sie mitunter noch erträglich, aber sobald ich anfange, eine Jahrzehnte-übergreifende Chronik der Satirezeitschrift TITANIC zu lesen, lege ich das Ding nach 30 Seiten zur Seite und fasse es nie wieder an.

Das dachte sich wohl auch Stone und versucht ab und an halbwegs, die Witzfigur Bush als problemgeplagten, naiven 'Underarchiever' mit Daddy-Komplex und 'Born Again'-Narrativ zu humanisieren. Wer diesen ganzen gefühlsduseligen Schlock ernst nimmt, ist nicht zu helfen, jedenfalls scheint sich Stone dennoch um ein bisschen Einfühlungsvermögen und Objektivität zu bemühen. Im Endeffekt strahlt der in die Jahre gekommene Holzhammer-Polittrottel Olli aber einen durchweg ambivalenten und unbeholfen-gestreckt aneinandergespuckten Knallchargen-Quatsch aus, der die durchaus ernsten, brachialen Handlungen der Bush-Ära als chaotisches Was-auch-immer-Machtspiel trivialisiert, während er gerade in solchen Momente den dramatischen Ernst der Situation vorpredigen will.

Und so wird auch seine Satire irgendwann so dröge, überraschungsfrei und zerfahren platt, dass man schon nach gut einer Stunde keine rechte Lust mehr auf dieses plakative Prozedere hat - sich selbst schon dabei zuzuschauen glaubt, sich wie bei der TITANIC-Chronik halbherzig durch das Geschehen schlagen zu müssen. Das Einzige, was einem dabei noch helfen kann, ist mit der Figur des W. kurzzeitig zu sympathisieren - was man ehrlich gesagt mit Politikern am besten nie machen sollte, aber im Kontext eines dramaturgisch aufgebauten und überzeichneten Spielfilms durchaus mal legitim ist, wenn man auch selber nicht mit jener Politik übereinstimmt.

So kann man dann die ein oder andere, unterhaltsame Montage des sich langsam machenden Dabbeljuh gut über sich ergehen lassen, im Endeffekt bleibt aber die ernüchternde Erkenntnis, dass seine Person im Angesicht seiner primitiv-unbeholfenen, fürchterlich-unbedachten und bis zum heutigen Tage spürbar-destruktiven Entscheidungen viel zu gut wegkommt, ihn als gutgläubiges Opfer politischer Intrigen zeichnet (Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, wie wir alle wissen). Aber was beschwere ich mich auch, ich habe vom Oberflächen-befriedigten Stone nichts anderes erwartet. Und sein 'W' erzählt einem nichts, was man nicht schon vor 2008 wusste oder selbst zusammenreimen konnte.

Wie mit Hitler, dem 2. Weltkrieg, der DDR und anderen Historien-Rekreationen scheinen wir uns mit diesem kontemporären Äquivalent als cineastische 'Heldensage' wieder nur nochmals selbst belehren zu wollen, was wir schon längst ideologisch verinnerlicht haben, egal auf welcher Seite wir stehen. Nun denn, immerhin kann man hier einige wunderbar-dämliche Gags vom karikaturenhaften Faschings-Ensemble (inkl. Bush's berühmtester Blödi-Catchphrases) mit davon nehmen. Oder auch sogar mit dem Präsidenten der Fett-verstopften Honkeytonk-Herzen per du gehen, wenn man überhaupt die Probleme der oberen 10.000 nachvollziehen möchte :P




WORLD TRADE CENTER -  Ohje, ohje...Was habe ich nur erwartet? Andere, wichtigere Frage: Wie eklig ist Oliver Stone bitte? Welch eine schamlose, einem TV-Katastrophenevent-ähnlich platt-dramatisierte und peinlich-formelhafte Affekt-Ausbeutung der Tragödie (inkl. einem Stars-verbratendem Figurengefüge alà Emmerich) sowie manipulative Verwendung ihrer traumatisierenden Bilder unter dem Popcorn-gerechten Deckmantel eines pathetisch-schwülstigen Helden-Denkmals (mit Gedenktafel vor dem Abspann).

Arbeitet sodann beständig-kitschig auf eine metaphorische Siegeshaltung für die westliche (bzw. amerikanische) Kultur und den Familienzusammenhalt hin, die als Bewältigungs-Phrasendrescherei in ihrer ideologischen Verblendung sogar an Vorbehaltsfilme wie 'Kolberg' herankommt - die weitaus größere Dimension der problematischen Polit-Ursprünge aussen vor lässt, dem ollen Bush quasi in die Hände spielt, seine anstehende 'Rache' jovial rechtfertigt, dessen brachiale Konsequenzen ausklammert und einen austauschbaren, plakativ-schludrigen Distasterschlock von der Stange für den Mittelstand aufdrängt, ohne jede inszenatorische Geschicklichkeit.

Z.B.: Nic Cage, unter Schutt begraben, mit Michael Peña an seiner Seite: '8-13, this is McLoughlin, PAPD. Officer Jimeno requests his daughter be named Olivia. Officer Jimeno would like his wife Allison to know he loves her...'

NNNNNNNNNNEEEEEEEEEIIIIIIIIINNNNNNNNNNNNNNNNNN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Hauptsache alles sieht nach suburbanen, eindimensionalen und verharmlosenden Hochglanz aus (u.a. die David-Hamilton-Flashbacks von Jimeno's Familie, zu deren Haushalt hier öfters zwecklos hingeschnitten wird) und lässt jeden für die gute Sache pflichtbewusst und unreflektiert mithelfen - sogar überleben, wenn er nur mit vollster Hingabe zu Gott betet und DURCHHÄLT. Dann kommen einem bedeutungsschwangere Zeitlupen, ätherische Jesus-&-Ehefrau-Visionen und die aufopferungsvollen Marines zur Hilfe. Schließlich sind 2 Überlebende Grund genug zum Feiern, während man die komplette Zerstörung sowie tausende von Toten & Vermissten um einen herum vergisst und endlich wieder lecker Hotdogs an selber Stelle essen kann.

"9/11 showed us what human beings are capable of. The evil, yeah, sure. But it also brought out the goodness we forgot could exist. People taking care of each other for no other reason than it was the right thing to do. It's important for us to talk about that good, to remember. 'Cause I saw all of it that day."

oO

P.S.: Interessant und im Rückblick irrwitzig-befremdlich ist hier übrigens der Auftritt von Michael Shannon als Mann Gottes, der sich als re-aktiver Marine die Mission setzt, Menschen vor Ort zu retten. Dieses Jahr hat er in der Semi-9/11-Allegorie MAN OF STEEL ja eben so einen ähnlichen Charakter mit vollstem Herzen bekämpft!




DER GROSSE KÖNIG - Krieg als theatralischer, verherrlichender Kostümfilm unter unkritischem und zudem grob-verfälschtem, historischen Deckmantel - episch in seiner Goebbels-befriedigenden Aufmachung mit bis zum Horizont gefüllten Massenszenen und Schlachtliedern, oberflächlich-naiv in seiner rücksichtslos-volkstümlichen Hau-Drauf-Motivation als patriotisches Heldentum gegen die listigen Feinde Deutschlands, deren angebotener Frieden keine Option ist und sowieso nur Heuchlerei sein kann.

Hauptsache man muss keine echten Schmerzen, sondern ausschließlich Märtyrer zeigen - sowieso wird lieber ausgelassen berlinert und vom-Schicksal-auserkoren-erfolgreich auf Durchhalteparolen gesetzt, während die Bomben auf den Feind regnen und der Studioschnee sich heiligsprechend auf die Schultern des erhaben-gnädigen Königs legt. Zwischendurch kämpft sich eine provinzielle Kristina Söderbaum zudem durch eine melodramatische Liebesgeschichte mit einem Feldwebel, damit auch das weibliche Publikum was zu sehen hat - eine Formel, die bis heute im belanglosen Kriegskitschgenre überlebt hat.

Schauspielerisch mit übergroßen Gesten und kriegerischem Gebrüll agierend, bleibt auch jede Glaubwürdigkeit vor blinder Extatik und bedeutungsschwangerer Vaterland-Dramatik im starrköpfigen Boden stecken. Gestalterisch übrigens wiederum von erlesener, kurzweiliger und effektiver Note, wie jede große Schicksalspropaganda, inkl. bornierter Wiederaufbau-Symbolik im pathetischen Finale, die jedes im Kampf gefallene Opfer mit weitbewachsenen Feldern, monotlithischen Untersicht-Mühlen und einem sonnigen Himmel rechtfertigen will - Blut & Boden sind rein geblieben.

Beinahe reuelose Verblendung der Mittel zum Zweck, eine augenscheinlich zum Scheitern verurteilte Ideologie, die bei der damaligen Reichsleitung wohl niemand einsehen wollte, sich geradewegs von fehlgeleiteter Überzeugung abgestumpft ins Verderben stürzte. DER GROSSE KÖNIG ist die filmgewordene Manifestation dieser unbedacht-arroganten, siegessicheren Herrschaftsfantasienwulst - ein bezeichnendes Mahnmal für kommende Generationen, anders aber als es sich Goebbels & Harlan ursprünglich gedacht hatten.




DAS UNSTERBLICHE HERZ - Ein kurzweilig-prunkvolles Historien-Moralstück über den unaufhaltbaren Drang nach Weltenerkundung und fortschrittlichem Erfindertum im Angesicht von Kleinbürgerlichkeit, altehrwürdigem Christentum und komplizierter Liebschaften. Jeder spielt in purer Manie, mit schlagfertig-frechem Wortwitz, der Schnitt kommt deren Energie beinahe gar nicht hinterher - es kracht und zischt ohne Unterlass, selbst wenn Heinrich George's Taschenuhr-Erfinder-Peter Henlein eine Kugel im Leibe steckt.

Doch wie es sich für einen Veit-Harlan-Film so gehört, muss eine Menschengruppe wieder zugunsten einer propagandistischen Absicht lächerlich gemacht/difammiert werden: hier werden wie in seinem 'JUGEND' Christen & Pfaffen zum Gag, grundlos-fiesen Antagonisten und 'Scheißkerl' dekradiert - was zur antiklerikalen Haltung der Nazi-Zeit ja durchaus legitim war und hier wieder im stetigen Handlungsverlauf immer aufdringlicher auffallen und 'belehren' muss (heute arbeiten Künstler wie Kevin Smith und Stephen King sowas ebenso platt in ihr Werk ein).

Allerdings wird der Lutheranismus als Alternative zum verstaubten Christentum durchgehend angepriesen und sogar durch eine Rekreation von Luther's Thesen-Ans-Rathaus-Nageln inkl. Goebbels-artiger, nationalfixierter Brüll-Ansprache verstärkt - warum? Weil in jenem Christentum deutsch und nicht lateinisch gesprochen wird, will der Film als essenziellen Vorteil deutlich machen - welch ein doof-gestalteter Patriotismus.

So wird der Protagonist auch sonst als jemand gezeichnet, der für den erstrebten, geistig-entwicklungstechnischen Höhepunkt seiner Heimat einen Scheiß auf gesellschaftliche Konventionen gibt - zudem aber auch die Liebesgefühle seiner Frau Ev (Kristina Söderbaum) aufgrund seiner Bastel-Besessenheit vernachlässigt, diese ihn sogar für seine 'gottverfluchte Uhr' anschnauzt (weil sie auch um seine Gesundheit fürchtet) und den Weiterbau dieser juristisch verhindern will. Ihrem Gesuch wird nicht Folge geleistet, weil der Mann ja ein Lutheraner sei - stattdessen will man ihn und seine Familie der Ketzerei beschuldigen.

Währenddessen versucht seine Frau ihn wieder zu betören und stellt sich nackt wie Gott sie schuf vor ihn - er lacht sie nur aus und will sich lieber wieder der Arbeit zuwenden. Dann rastet sie in bester Söderbaum-Manier vollkommen aus, zerstört seinen Uhren-Prototyp - kalt und starrköpfig schickt er sie davon. Der Bau der Uhr, der Fortschritt, ist wichtiger als ihre Gefühle - ab diesem Zeitpunkt konnte ich keine Sympathie mehr für diesen Charakter aufbringen, auch wenn seine reale Vorlage ein durchaus nobles Anliegen verfolgte.

Schlussendlich will DAS UNSTERBLICHE HERZ auch nichts weiter als den 'Triumph des Willens' im Angesicht gesellschaftlicher, juristischer und religiöser Hürden zelebrieren. Es ist jedoch unmöglich, die geschichtlichen Hintergründe zur Entstehungszeit des Films auszublenden (Statisten in Massenszenen heben sogar allesamt ihren rechten Arm zum 'Gruße') - und für eine inspirierend-eindringliche Erbauung des Zuschauers fehlt es dem Film dann auch noch an glaubwürdiger Ernsthaftigkeit, so ideologisch-offensichtlich-manipulativ die ganze Geschichte und verblendet-extatisch-laberhaft seine Charaktere gestaltet sind.

Die stetig-übergreifende, antiklerikale Propaganda-Keule, die sich zudem auch mit handgreiflicher Gewalt im Film durchsetzen will, nervt und versaut einen potenziell-unterhaltsamen und inspirierenden Film, den dessen Schluss suggerieren wollte - im dritten Reich gelang das sicherlich vollends, heute lässt das kritische Auge sowas nicht zu - zurecht.




AFRICA ADDIO - ist weniger Dokumentation, denn erzkonservatives Pamphlet, welches mithilfe seines Sprechers jedes historische Ereignis und jedes (teils offensichtlich inszenierte/gefälschte) Szenario zur selben apokalyptischen Schlussfolgerung führen lässt: Nur die weißen Kolonialisten können Ordnung in Afrika halten - ohne ihre Führung verkommt der Kontinent zum wilden, anarchischen Wust, inkl. Plünderungen, sadistischen Tierverstümmelungen, illegalen Treibjagden, rassenfanatischen Massakern, militanten Rebellen, etc. - sowohl von schwarzen, als auch von weißen Einheimischen.

Dass die Kameras jene Ereignisse formgerecht und professionell einfangen, ist sowieso schon bedenklich und jenseits vom Zufall. Doch weit heftiger wiegt der Umstand, dass diese selbsternannte Dokumentation beinahe ausschließlich in die extremsten Regionen der Auswüchse vordringt, was sich für einen typischen, zynischen Mondo-Streifen ja gehört, aber jegliche Hintergründe für diese Umstände ausklammert (es wird suggeriert, dass die Einwohner geradezu grundlos Weiße hassen), stattdessen mit Riz Ortolani's Superdramascore auf emotionalen Stimmenfang geht.

Natürlich machen die gezeigten Bilder in ihrer schockierenden Drastik und bitteren Gewalttätigkeit dennoch betroffen und inszenatorisch zeugt der Film durchaus von wirkungsvoller Geschicklichkeit. Jenes dann aber mit ulkig-vertonten Aufnahmen von Nationalparks alà 'DIE LUSTIGE WELT DER TIERE' gegenzuschneiden, entkräftet die Eindringlichkeit des kontroversen Sujets so sehr, dass man sich doch stark wundert, ob der Film sich selbst noch ernst nimmt. Doch dann ziehen die Weißen natürlich wieder ab und alle unbedarften Tiere werden unmotiviert abgeknallt - na wenn das mal wirklich so war...

Man muss wohl über solche (aus heutiger Sicht) ideologischen Dünnschisse hinwegsehen, um AFRICA ADDIO als Zeitdokument anerkennen zu können, welches das Schlimmste im Menschen direkt & geradezu ausbeuterisch auf Zelluloid bannte und den Zuschauer bis ins Mark erschüttert. Ich persönlich hatte extreme Schwierigkeiten, mich an die damalige Mentalität anzupassen, auch wenn Jacopetti und co. dafür ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben.

Mondofilme sind halt an sich von Natur aus ultrazynisches Zeugs - drastische Bilder dokumentarisch zu zeigen, ist eine Sache. Aber in welchen reißerischen Kontext Jacopetti sie setzt, dass der sie so als emotionalisierte Message anbieten will und dabei auf Leichen und Verstümmelungen zoomt, bis der Arzt kommt - das hätte man damals schon bemängeln müssen, dass er sein Thema so pompös tragisch aufbauscht, anstatt wirklich mal Informationen, Hintergründe und Aussagen zu präsentieren. Ausser dem Sprecher ist da ja NIEMAND im Film im Gespräch/Interview, da ist man ja gezwungen, dass für voll zu nehmen, was der vor sich herlabert. Ganz, ganz schwierige Sache...

Montag, 4. November 2013

'DER TEUFELSGEIGER' (2013) Review



Ich hätte am frühen Morgen vom 03.11. noch nicht gedacht, dass ich tatsächlich am späten Abend noch den Weg in die wohl unansprechenste, 'inspired by Thomas Sabo'-Produktion im derzeitigen Kinoprogramm schaffen werde. Und dennoch überschlugen sich die Ereignisse wie verrückt und ohne es recht fassen zu können, war ich plötzlich gefangen im 2 (gefühlt 4) Stunden langen Terror einer David Garrett & Veronica Ferres-Produktion, unter der Regie eines Bernard Rose am Ende seiner Geistesgesundheit.

Ich kann danach nun mit vollem Herzen verkünden: DER TEUFELSGEIGER ist mit Abstand der fürchterlichste Film, den ich dieses Jahr im Kino sichten durfte. Ein protziger Kostümfilm, der mit seinem zweckmäßigen Prunk die ihm innewohnende Amateurhaftigkeit nur schwer verbergen kann. Es gibt nämlich nicht nur einen (dreist-einfallslos bei FAUST klauenden) plattgeriebenen, stinklangweiligen 'Spannungsbogen', sondern auch noch abstoßende Greenscreen-Effekte, karikaturenhafte und dennoch unfassbar farblose Charaktere, eine technisch misslungene und in ihrer Darbietung unendlich-lustlose Synchronisation, ungeschickte Schnitt- und Kameramuster inkl. Achsensprüngen ad absurdum UND zuguterletzt DAVID GARRETT in der Hauptrolle.

Dieser unfassbar träge, einschläfernde, talentfreie Kotzbrocken ist der größte Feind der Mimik und Intonation, den man sich kaum vorstellen kann. Seine Darstellung des Paganinis ist so blass, monoton, frustrierend und kaum nachvollziehbar, dass einem wohl kaum seine einzige eingreifende Handlung, die belanglose Romanze zur Tochter des Londoner Symphonie-Heinis Watson, interessiert - und erst recht nicht seine unsterbliche Sehnsucht nach ihr auf dem Totenbett, die in ihrer schwülstigen, unverdienten Melodramatik nicht mal Zuschauer im dritten Reich hätte begeistern können. Er ist einzig und allein nur dazu gut, seine Geigenkünste pornografisch abzufeiern und der Zuschauer muss sich dabei durch ein ca. einstündiges Konzert (der ernüchternde 'Klimax' des Films) seiner Virtuosität durchquälen.

Aber nicht nur der Hauptprotagonist ist die letzte, seditative Flasche. Sein Manager Urbani (Jared Harris) bleibt als hyper-unsubtiler Mephisto eine planlose und nutzlos-intrigante Spinatwachtel auf hohem Niveau mit eingewichstem Ziegenbart, der Londoner Chaot John Watson ein dusseliger und bemühter Einfaltspinsel mit Veronica Ferres als unbeteiligt-ausdrucksloses Anhängsel. Sowieso werden beinahe alle Frauencharaktere darauf beschränkt - wenn sie nicht gerade auf Puritaner-Mission gehen - feucht zu werden, sobald Paganini die Geige vergewaltigt, eine Rockstar-Allegorie, wie sie schon in AMADEUS und der ihn parodierenden Simpsons-Episode zu genüge dargestellt wurde.

Sowieso erzählt der Film einfach nichts Neues oder Erhellendes, hängt sich an altbackenen Klischees von Eurohochburgen wie Italien, London (insbesondere Whitechapel) und der damaligen, monarchisch-elitären Musikszene auf, liefert keinerlei Denkanstöße zu irgendwas und sucht nicht einen Moment lang die Kommunikation mit dem Zuschauer - brummt ihm stattdessen eine forcierte und höchst unglaubwürdige, biedere Romanze auf, die zudem nicht mal ein Quäntchen vom wahrscheinlich durchaus vielschichtigen Paganini aufzeigt, sondern diesen zu einem austauschbaren Schönling mustert, der zufällig auch gut Geige spielen kann, wenn er nicht gerade wieder besoffen, betäubt oder faul wie Sau im Bett herumlungert. Natürlich ist das Hauptthema des Films die Verführung - jene durch den Teufel höchstpersönlich, der Paganini's & Watson's Leben viel verspricht und auch wieder zerstören kann (gähn), sowie jene durch Paganini selbst, wobei ich nicht wirklich weiß, was er ausser seinem Fame Interessantes zu bieten hat.

So bleibt auch der gesamte Film oberflächlich, uneindringlich und aufgeplustert-einschläfernd, frei von jeder Verführungskunst - eine Fördermittelverschwendung erster Güte, mit einem Heer an unausstehlichen Wichsern am Hebel, die man schlichtweg nur hassen kann - ohne Gnade! Den einen Punkt gibt's aber noch aus Solidarität für die armen, hübschen Damen, die sich für diesen Honkstreifen entblättern mussten - mein Beileid.

1/10

Donnerstag, 19. September 2013

DIE HEIMLICHEN WUNDEN auf dem INDIGO FILMFEST 9 (11. & 12. Oktober 2013)




See you there: http://www.indigo-filmfest.de/index.php?id=689

Ein Rückblick auf nicht ganz so tolle "Blockbuster" des Sommers 2013



THE WOLVERINE - Meh...

Wobei die Flashbacks zu Nagasaki die stärksten Szenen waren und für einen eigenen, besseren Film getaugt hätten (mit Logan im 2. Weltkrieg, z.B. gut möglich wäre: erst kämpft er gegen die Japaner, dann hilft er Ihnen nach dem Einschlag der Atombomben und kämpft gegen Mutanten, die daraus entstanden sind :P). Und in der 2. Hälfte gibt's ein paar echt gute Momente (die Operation am eigenen Leib; der Kampf mit den Ninjas und deren Pfeil-Orgie z.B.), aber dann...dieses Finale...mit der nervigen Viper und dem trashigstem Twist seit langem.

Dabei verlangt der Film zudem fortwährend, dass man ihn ernst nimmt, mit aufgesetzter noch-nich-ganz-R-Gewalt, willkürlich-einsetzenden Jean-Grey-Traumsequenzen und recht bemühten Anlehnungen an Clint Eastwood und Western (Mundharmonika im Soundtrack, sowie die Morriconeske Abspannmusik - wir kapieren's ja...). Vergisst aber dabei, eine Geschichte über 08/15-Klischee-Actioner-Niveau, mit vielleicht mal interessanten Charakteren, zu erzählen.

Aber ja bloß keine Experimente wagen, schließlich muss ja mit der Mid-Credits-Sequenz auch noch X-Men: Days-of-Future-Past eingeführt werden.

Letztendlich dennoch besser als "X-Men Origins: Wolverine"...auch wenn es Mangold deutlich besser könnte.




ELYSIUM - Ui, war das ein holpriger Ritt...

Blomkamp verblockbusterisiert sich mit ELYSIUM nun vollends und packt in seine inzwischen obligatorische, hyperdetaillierte und sau-schön-(dreckig)-gestaltete Südafrika-Dystopie (diesmal als Kulisse fürs futuristische L.A.) leider nun auch noch Shakey-Cam und Instant-Epic-Mucke dazu - während schäbige Dubsteps, vereinzelte Splattereffekte, Roboter-Gags, standartisierte Dritte-Welt-Probleme und Sharlto Copley als abgefuckt-schrulliger Mercenary Kruger (mit Mittelfinger-Neurose) noch als eigentliche Seele des Films durchscheinen wollen, jedoch nur schwer gegen die hemmende Kommerzialität der Inszenierung ankommen können.

Da hat Damon als prophetischer Erlöser schon einen übermenschlichen Exo-Suit und matscht niemandem die Fresse platt, macht immer nur halben Rabatz mit den Schergen, die er dann immer wieder unbeholfen mit Gewehrsalven finished (zumal man dank des Kameragezitters und viel zu chaotischer Schnitte den meisten Actionszenen kaum folgen kann). Da wird ab und an immer noch mal Verhoeven-ige Satire versucht, die im überdramatisierten Stilkonstrukt absolut unstimmig wirkt und hilflos versandet - wie so ziemlich die gesamte erste Hälfte des Films. Welcher aber ab Eintritt des an Leukämie erkrankten Mädchens doch schon an Fahrt und Emotion gewinnt und im Verlauf sogar einigermaßen gut Tension aufbauen kann, die aber im annahenden Finale immer wieder durch inszenatorische Schwächen abgebremst wird - da scheint einfach durch, wie unerfahren der gute Blomkamp doch noch ist, trotz seiner wunderbaren Ideen: sein Drehbuch mag zwar einfältig und märchenhaft sein, aber unter einer bodenständigeren Umsetzung und ein bisschen mehr Feinarbeit im Auflösen einiger Situationen (wie lapidar unpointiert manche Plotpoints hineingeworfen werden; was manche wichtige Charaktere für einen unwirksamen Abgang serviert bekommen, etc.) hätte er durchaus viel mehr herausholen können.

Er hätte sogar den ganzen Film mit dem anarchisch-vulgären Killer-Kruger als Hauptprotagonisten erzählen können, der von der Präsenz her schon weit interessanter als Blue-Collar-Matt-Damon daherkommt. So bleibt einem aber doch nur eine stolprige, bemühte Sci-Fi-Erlöser-Action-Sause, die zwar durchweg unterhält, aber nur bedingt ins Herz dringt. Ich wünsche Blomkamp wieder mehr Glück bei seinem 30 Mio. $ Sci-Fi-Comedy-Projekt mit DIE ANTWOORD. Bis dahin...




KICK-ASS 2 - Ist KICK-ASS 2 eine selbstironische (verlogene) Parodie auf Versatzstücke des Comicfilmgenres bzw. auf sich selbst/Kick-Ass 1? Schließlich werden alle etablierten Elemente solcher Streifen so teilnahmslos, überhastet und platt-einfallslos abgehakt, dass man den Film ausschließlich durchweg nur belächeln kann (auch wenn man dem durchweg aufdringlichen Schimpfwörter-Humor damit zu sehr schmeicheln würde). Zudem wird immer und immer wieder aufgesagt, dass dies die "reale Welt mit realen Konsequenzen" sei, kurz bevor wieder irgendeine durchgeknallte Schlachtplatte abgezogen wird, wo Leute auf Knopfdruck kotzen/kacken, durch Adrenalin unzerstörbar und fix wie der Rote Blitz werden, etc. - Ist KICK-ASS 2 somit der KINDSKÖPFE 2 des Hero-Kinos?

Wunderbar unterstützt wird dies auch durch zerwackelte Actionszenen, furchtbare Greenscreen-Effekte, einem (bescheiden ausgedrückt) chaotischen Handlungsstrang & Spannungsbogen und einem noch kleineren Budget & Schauwerten als Teil 1. Zwischendurch wird sogar ein Coming-of-Age-Subplot für HITGIRL eingebaut, der innerhalb von wenigen Minuten ungewitzt MEAN GIRLS nacherzählt und High-School-Schülerinnen so übersimplistisch-cartoonhaft hormongetrieben und hinterfotzig präsentiert, dass man Mark Millar/Jeff Wadlow nicht gerade als beste Frauenversteher einordnen sollte.

Punkten kann der Film dann trotzdem mit seinem eigentlichen Fokus Chloë Moretz, die gewohnt gut dasteht, egal was sie macht, auch wenn sie hier deutlich unterfordert bleibt, wie eigentlich jeder im Ensemble. Selbst Jim Carrey, der noch eine gehörige Ladung Enthusiasmus und ausgespielte Eskapismus-Power mitbringt, wird immer nur recht kurz angeschnitten und scheidet sogar recht schnell aus der Handlung aus, die Platz machen muss für die mittelmäßig-motivierten Assi-Aktionen des MOTHERFUCKERS und seiner stereotypen Wrecking Crew. Ihr zynisch-sadistisches Treiben zeigt eigentlich den stilistischen Nukleus des Vorlagenautors Millar in seiner pursten Form, wird dann aber innerhalb weniger Augenblicke durch etliche "Reale Welt"-Peptalks weichgespült.
Vielleicht sollte das ja alles so von Adapteur Jeff Wadlow gedacht sein: "Ihr mögt Superheldenfilme? Fuck You." Und erwartet dann trotzdem von uns, dass man sich trotzdem gut unterhalten fühlt und eine Connection zu den Protagonisten halten kann. Wie packend kann so eine Farce allerdings sein? Jedenfalls nicht so viel wie beim ersten Teil - das soll schon was heißen.




R.I.P.D. - Was für eine öde Fantasy-Cop-Comedy. Schon recht unfassbar: der Schnitt ist rasant, die Kamera verspielt, die Effekte einigermaßen massiv, eine ganze Menge Action ist vorhanden und einige Schauspieler (who am I kidding: ausschließlich die Darstellerinnen) sind wach...und trotzdem kann einem nichts so sehr kackegal sein wie diese schlichtweg UNgezeichneten Charaktere und diese läppisch-formelhafte, witz-&-farblose Story (mit einem offenbar schier planfreien Bösewicht, dessen Motivation wie bei jeder Figur nimmer greifbar wird), dass man einfach nur wegdösen will.

Was war dennoch am Unterhaltsamsten? Sich vorzustellen, dass man einen Krimi-Film ausschließlich mit Nick & Roy's "Avataren", der Blondine und dem alten Chinesen (James Hong) erschaffen hätte - mag zwar auch albern sein, klingt aber nach weitaus mehr Spaß.

Ich rate ab (erst recht im O-ton - man versteht NICHTS von Jeff Bridges Akzent-Genuschel).




WHITE HOUSE DOWN -  Der weitaus albernere White-House-Thriller-nach-Stirb-Langsam-Schema (fast 1:1 die Plotbeats diesmal) dieses Jahr - leider nicht ganz so albern, dass er das Fehlen der rabiaten Gewalt, des assig-magnetischen Hauptprotagonisten, der gar nicht mal so unwirksamen Tension und des überbordernd-verblendet-genüsslichen Patriotismus von OLYMPUS HAS FALLEN wett macht - dafür ist er einfach viel zu lang ausgewalzt und viel zu oft witzlos "ernst" gehalten.

Ausserdem sieht der 100 Mio. $-DOWN viel zu sauber und platt-hell-ausgeleuchtet aus, ironischerweise mit beinahe ebenso klobigen CGI-Effekten (die Explosionen!) wie sein 30 Mio. $-Pendant FALLEN (welcher zudem inhaltlich und auch actiontechnisch weit mehr Abwechslung, Gefahr und Grit ablieferte).

Aber wenn WHITE HOUSE DOWN mal albern ist, dann aber mit naiv-bombastischer Chuzpe - was z.B. die neunmalkluge Tochter Tatums (Talia Al Ghul (jung) aus TDKR) da als THE ROCK-Hommage im Finale abzieht: phänomenal - Gyllenhall-Glubschaugen-Parade, keifende alte Säcke und ganz viel schlechtes Greenscreening inkl.

Fast empfehlenswertes Sommer-Quatsch-Kino - fast, weil es sein eigenes Eskapismus-Potenzial nur bedingt ausspielt und mit Blood&Gore weit effektiver gewirkt hätte, stattdessen allzu viele "dramatische" Genrestandarts uninteressiert-pflichterfüllend abfertigt. Zum herzlichen Auslachen dennoch gut geeignet!




THE WORLD'S END - Also, der Film ist durchgehend unterhaltsam und die Schauspieler geben allesamt ihr Bestes. ABER 'The World's End' fühlt sich eher wie ein Statement an, anstatt eine echt spaßige Komödie zu sein.

Wright und Pegg sahen es nach dem massiven Fan-Input wohl als ihre Pflicht an, die potenziellen One-Shots SHAUN OF THE DEAD & HOT FUZZ zu einer konzeptionellen Trilogie verschmelzen zu lassen. Und so kommt es, dass END vor sovielen Anspielungen an die vorangegangenen Werke strotzt, dass man ja nicht merken soll, wie bieder und formelhaft-vorhersehbar er, aus bemüht-verschleierter Ratlosigkeit heraus, tatsächlich inszeniert ist.

Lag sicherlich an Wright's Verbitterung über seinen SCOTT PILGRIM-Flop, dass er nun ein ganz klares Zeichen setzen wollte: Es ist nobler ein Original zu sein, Anti glattgebügeltes Hollywood, Anti-Reboot, Nostalgie & klassisch gestaltetes Kino FTW. Nun hab ich ja echt nichts gegen so eine Message an sich und finde deshalb den 3. Akt (der anders als der Restfilm nicht komplett durch die Trailer vorweggenommen wurde), der sich auf eben jene Message fokusiert und wirkungsvoll die durchweg etablierten Plotpoints zusammenflechtet, recht stark. Etablierte Erzählformeln an sich finde ich sowieso nicht schlimm, wenn der Inhalt dann trotzdem frisch und gewitzt bleibt.

Jedoch fand ich es recht ernüchternd, wie uninspiriert und bissfrei (immerhin im Gegensatz zu den Vorgängern erstmals ab 12) der Plot vorangetrieben wird - sowie die immer monotoner werdenden Kampfszenen - und wie gering die Gagdichte hier ist, als ob Wright ausversehen einen viel zu glattgebügelten Film hingezaubert hat, nur damit die Fans ja zufrieden sind.

So kommt es leider auch, dass das Herzstück einer jeden guten Komödie, die Charaktere, nicht mehr allzu liebenswert gestaltet sind und bar jeder Rationalität die Handlung des Films, die 12-Pubs-Tour, pflichtbewusst erfüllen müssen, weil sie es ja so schön haben wollen wie damals. Harte Sache natürlich, dass ihnen und den Filmemachern selbst dieser Wunsch beim besten Willen nicht erfüllt werden kann. Der Funke zündet leider nur noch schwach und hinterlässt leider einen recht bitteren, bemühten Nachgeschmack.

Aber der Gedanke zählt - nice try, boys...now go on with your life!